Präkolumbianische Hochkulturen  

Was bedeutet "präkolumbisch"? 
Präkolumbisch, präkolumbinisch oder präkolumbianisch (oft auch vorkolumbisch) bezieht sich auf die prähistorische und historische Geschichte Amerikas vor der Entdeckung durch Christoph Kolumbus im Jahre 1492. Oftmals werden somit auch Vorkommnisse beschrieben, die zwar nach der Entdeckung durch Kolumbus, aber ohne europäische Einflüsse geschehen sind. Präkolumbisch umfasst dabei die Zeit von der ersten Besiedlung Amerikas im Jungpaläolithikum bis hin zur europäischen Kolonisierung in der Frühen Neuzeit. Präkolumbisch wird oft speziell im Zusammenhang mit den frühen Hochkulturen Amerikas, wie den Azteken, Tolteken, Maya und Olmeken in Mesoamerika und den Inka und Moche in den Anden, verwendet. Viele der präkolumbischen Hochkulturen wurden sesshaft, entwickelten Ackerbau, bauten monumental und bildeten komplexe soziale Hierarchien. Mehrere Zivilisationen waren zum Zeitpunkt der europäischen Entdeckung Amerikas bereits untergegangen und wurden nur durch archäologische Forschungen bekannt. Andere wiederum sind durch historische Dokumente aus der Zeit des späten 15. Jahrhunderts bis zum frühen 16. Jahrhundert bekannt geworden. Nur wenige der Kulturen, wie etwa die Maya, hatten ihre eigenen geschichtlichen Aufzeichnungen. Diese Texte waren in den Augen der spanischen Eroberer jedoch ketzerisch und wurden deshalb verbrannt. 

Die Hochkultur der AZTEKEN
Die Azteken hatten seit Ende des 14. Jahrhunderts in Mexiko eine Hochkultur errichtet. Ihre Hauptstadt Tenochtitlán war die größte und prächtigste Stadt ihrer Zeit. Doch die Azteken hatten nicht zuletzt durch ihre zahlreichen Eroberungsfeldzüge viele Feinde. Mit deren Hilfe konnten die spanischen Eroberer unter Hernán Cortés das Imperium im Jahr 1521 mit einem gnadenlosen Massaker zerstören. Bis Mitte des 13. Jahrhunderts hatten die Azteken, laut einer Legende, in ihrer Heimat Atzlán, dem "Land der Reiher", als Jäger gelebt. Doch dann erschien ihnen im Jahr 1168 der Gott Huitzilopochtli und schickte sie auf eine lange Wanderschaft. Sie sollten nach einem Zeichen suchen, dann würde ihr Volk groß und mächtig werden. So zogen die Azteken von Ort zu Ort, bis sie im Jahr 1370 endlich am Ziel waren. Sie fanden eine Insel im Texcoco-See und dort einen Adler, der auf einem Kaktus saß und eine Schlange fraß. Dieses Bild ist heute auf Mexikos Nationalflagge zu finden. Die Azteken nannten sich selbst "Mexica". Daher kommt auch der heutige Ländername Mexiko. Sie bauten 1325 auf der Insel ihre Hauptstadt Tenochtitlán mit imposanten Pyramiden, Tempeln und prächtigen Palästen aus Stein. Auf dem Festland lebten einfache Bauern sowie Handwerker und Krieger, die die Stadt und ihre Einwohner mit allem Nötigen versorgten. Nur wenige Dämme führten zu den Märkten der Großstadt, die gut bewacht waren und bei Gefahr abgesperrt werden konnten. Die Stadt Tenochtitlán wuchs immer weiter, bis sie 250.000 Einwohner hatte und so zur größten Metropole ihrer Zeit wurde. Die Azteken sorgten für mehr Boden für Gebäude und Gärten indem sie die Sümpfe um die Insel entwässerten. Eine derart prächtige Hauptstadt konnten sich die Azteken nur leisten, weil sie durch geschickte Verhandlungen, aber auch durch blutige Kriege einen großen Städtebund gegründet hatten. Die benachbarten Indianervölker konnten sich entscheiden ob sie freiwillig oder unfreiwillig zu Verbündeten des Aztekenvolkes wurden. Alle Mitglieder des Städtebundes mussten hohe Steuern zahlen und wurden dafür im Gegenzug von den mächtigen Aztekenkriegern vor Feinden beschützt. So wurden die Azteken Herrscher über ein riesiges Reich. Sie waren unter den anderen Indianervölkern gefürchtete und verhasste Herrscher. Nicht zuletzt weil ihre religiöse Überzeugung viele grausame Menschenopfer verlangte. Dazu wurden jedes Jahr etwa 50.000 gefangene Krieger, Sklaven, aber auch Kinder dem Sonnengott Quetzalcoatl geopfert.

Die Hochkultur der MAYA
Viele Mythen ranken sich um die Maya, die einst die am höchsten entwickelte Kultur auf den amerikanischen Kontinenten besaßen und die dann scheinbar plötzlich verschwanden. Vermutet werden lange Trockenzeiten aber auch   kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Völkern. Geblieben sind viele rätselhafte Schriftzeichen auf zahlreichen Prachtbauten, die heute Touristen aus aller Welt anlocken und faszinieren. Gebaut wurde ausschließlich zur Huldigung der Götter. Dazu zählte auch die Opfergabe von Mensch und Tier. Sonne, Mond und Sterne spielten im Glauben und im Alltag der Maya eine große Rolle. Für sie galten Sonne und Mond als Federbälle, mit denen die Götter am Himmel spielten. Um den Göttern nachzueifern wurde in jeder Stadt ein Ballspielplatz errichtet. Ihr Bezug zum Himmel war sehr dominant und somit auch ihre Affinität zur Astronomie. Berühmt wurden die Maya aber auch durch den Anbau von Mais, ihre Mathematik und ihren hoch entwickelten Kalender. Die Maya-Schrift war bis zur Ankunft der Spanier das einzige Schriftmedium in Amerika. Die überwiegend aus Bildsymbolen bestehende Schrift konnte mittlerweile zum größten Teil entziffert werden. In den Bereichen Kunsthandwerk und Malerei besaßen die Maya ebenfalls einzigartige Fähigkeiten. Die Metallverarbeitung die überwiegend für rituelle Zwecke und weniger zur Werkzeugherstellung diente, kam erst später hinzu. Die Kultur der Maya konzentrierte sich um die Halbinsel Yucatán im Golf von Mexiko. Das gesamte Gebiet der Maya verteilt sich heute auf fünf Länder: Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador. Die Fläche des einstigen Maya-Reiches, das aus rund 50 Kleinstaaten bestand, ist in etwa vergleichbar mit der Größe Deutschlands. Bis heute gibt es mehr Theorien als wirkliches Wissen über das Leben der Maya. Warum sie sich ausgerechnet im tropischen Klima Yucatáns angesiedelt haben, ist genauso rätselhaft wie ihr späteres Verschwinden. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass die Maya ausgestorben sind. Verschwunden ist in erster Linie die Kultur der sogenannten "klassischen Phase". Bis ins 16. Jahrhundert hinein lebten die Nachfahren dieser Hochkultur in Selbstbestimmung. Dann kamen 1523 die ersten Eroberer aus Spanien, die sich in blutigen Kriegen das Land zu eigen machten und die Bevölkerung unterwarfen. Die Spanier schreckten auch nicht davor zurück, einzigartige Relikte aus der Maya-Zeit zu vernichten. 1697 wurde mit Tayasal die letzte große freie Maya-Stadt erobert. Damit endete die Geschichte dieser eigenständigen und einzigartigen Kultur. Die Nachfahren der Maya leben heute zum größten Teil in Guatemala. Noch immer entdecken Forscher neue Städte die der Maya-Ära entstammen. Diese werden dank finanzieller Unterstützung aus dem Ausland, unter anderem auch aus Deutschland, erkundet und vor dem weiteren Verfall bewahrt.

Die Hochkultur der INKA
Als Inka (Plural Inka oder Inkas) wird heute eine indigene urbane Kultur in Südamerika bezeichnet. Oft werden als Inka auch nur die jeweiligen herrschenden Personen dieser Kultur bezeichnet. Die Inka herrschten zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert über ein weites Reich von über 200 ethnischen Gruppen. Zur Zeit der größten Ausdehnung (950.000 Quadratkilometer) erstreckte sich ihr Einfluss vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien. Entwicklungsgeschichtlich sind die Inka mit den bronzezeitlichen Kulturen Eurasiens vergleichbar. Das rituelle, administrative und kulturelle Zentrum war die Hauptstadt Qusqu (Cuzco) im Hochgebirge des heutigen Peru, in 3.500 m Höhe. Ursprünglich war mit dem Begriff "Inka" die Bezeichnung eines Stammes gemeint, der nach seiner eigenen Auffassung dem Sonnengott Inti entstammte. Die Inka (“Töchter und Söhne der Sonne“) sprachen Quzechua was so viel bedeutet wie: “die Sprache der Menschen“. Die Herrscher des Stammes wurden wie Götter verehrt. Sie wurden als Sapa Inka (“einziger Inka") bezeichnet. Wie auch bei den Azteken und Maya gab es eine strenge Gesellschaftsordnung, an deren Spitze der Inka-Herrscher stand. Beamte wurden eingesetzt um das große Reich zahlenmäßig zu erfassen und die Arbeit der Bauern zu überwachen. Dem Sapa Inka wurden Zahlen über Geburten, Sterbefälle, Höhe der Mais- und Kartoffelernten sowie die Anzahl der Lamas und Meerschweinchen des Reiches vorgelegt. Das Zählen erfolgte mit Hilfe von farbigen Schnüren und Knoten, den so genannten Quipus. Geld kannten die Inka nicht. Statt Abgaben steuerten die Einwohner mit ihrer Arbeitskraft zum Wohlstand des Reiches bei. Dabei wurde ein Drittel für den Sonnenkult gearbeitet, das zweite Drittel wurde beim Militär oder beim Adel abgeleistet und das letzte Drittel wurde für den eigenen Lebensunterhalt und die eigenen Familien aufgewendet. Die Inka waren hervorragende Landwirte. Sie kannten 20 verschiedene Maissorten, 240 Kartoffelarten, Bohnen, verschiedene Getreide wie Quinoa und Amarant, Kürbis, Tomaten, Paprika und exotische Früchte. Zu ihren Haustieren zählten Lamas, Alpakas, Enten und Meerschweinchen. Neben einer guten Ernährung war den Inkas sowohl Bildung als auch Wissenschaft besonders wichtig. Sie errichteten das Yacha huaci, das Haus des Wissens, in dem junge Adelsmänner in Sprachen, Religion, Astronomie, Astrologie, Philosophie, Mathematik, Baukunst und Kriegsführung unterrichtet wurden. Doch all ihr Wissen nutzte den Inka nicht, als am 15. November 1533 der spanische Eroberer und Abenteurer Francisco Pizarro mit nur wenigen hundert Männern die Hauptstadt Cuzco fast ohne Widerstand der Bevölkerung einnahm. Zuvor hatte er mit einer List und in einem Überraschungsangriff weit vor den Toren der Stadt den Inkaherrscher Atahualpa gefangen genommen und getötet. Der Tod ihres Sapa Inka machte die Inka kopflos. Damit waren ihr weiteres Schicksal und der Untergang des Inkareiches besiegelt. Die spanischen Eroberer zerstörten die Stadt Cuzco fast vollständig. Der letzte Inkaherrscher starb 1572 und mit ihm der letzte Widerstand gegen die spanischen Eroberer und das große Reich des Sonnengottes Inti.