Kölle un sin Karneval…

Was wäre Köln bloß ohne seinen Karneval? Für viele Kölner und andere partizipierende “Jecke“ schlichtweg unvorstellbar. Was viele nicht wissen ist, dass der Kölner Karneval in seiner heutigen Ausprägung keine postmoderne Erscheinung ist, sondern lange Traditionen aufweisen kann. Der Kölner Karneval ist fast so alt wie seine Stadtgeschichte selbst. Bereits die Griechen und die Römer feierten im Frühling, ihren Göttern zu Ehren, fröhliche Feste mit Wein, Weib und Gesang. Die Germanen hingegen feierten um die Winterdämonen zu vertreiben, so wie es auch heute noch in vielen Landkreisen praktiziert wird. Die Christen setzten dann die heidnischen Bräuche fort und läuteten die vorösterliche Fastenzeit mit der Fastnacht bzw. mit dem Karneval ein. "Carne vale" heißt nämlich so viel wie “Fleisch lebe wohl“!

Auch das Mittelalter kannte keine Gnade wenn es um das Feiern (die "Mummerei") ging, sodass Rat und Kirche vehement versuchten die Feierlichkeiten im Zaum zu halten. Seit dem 18. Jahrhundert feierte man den Straßenkarneval dann nach venezianischem Vorbild. Sich mit Masken und Kostümen verkleidet auf Bällen zu tummeln konnte sich damals jedoch lediglich der Adel leisten. Diese anfänglich nur dem Adel vorbehaltenen Gruppierungen nannten sich “Redouten“. 1736 hat die erste Redoute von Köln ihre eigene Adresse am Neumarkt.

Weder die einmarschierenden Franzosen noch die Preußen können den Karneval stoppen. Er wird allerdings mithilfe der Preußen erstmalig in geordnete Verhältnisse gebracht. Dafür setzte man einen Anführer ein, den “Held Karneval“ der später von dem uns heute bekannten Prinzen ersetzt wird. 1823 dann, gründete sich das “Festordnende Komitee" und ein erster Rosenmontagszug unter dem Motto "Thronbesteigung des Helden Karneval“ läuft durch Kölns Stadt. Seitdem formatieren sich die Roten Funken und viele weitere Gesellschaften. Allen ist ein Ziel gemein… der ehemals freien Reichstadt Köln zu huldigen. Eine Besonderheit des Kölner Karneval ist sicher auch die Besetzung der Jungfrau, die damals wie heute von einem Mann dargestellt wird. 1860 geht der erste Geisterzug durch Köln, an einem Karnevalssamstag. Diese Tradition führt man ebenfalls bis heute so weiter fort. Nachdem die Roten Funken die einstigen Stadtsoldaten verkörpern, bekommen Bauer und Jungfrau 1902 eine eigene Begleittruppe, die Ehrengarde, dazu. Im Jahre 1906 schließlich bekommt der Prinz seine Prinzengarde. "Kölle un sin Karneval" werden über die Stadtgrenzen hinaus berühmt.  

Nicht zuletzt durch die originelle kölner Mundart und das fröhliche Liedgut können viele dem Karneval nicht widerstehen. Irgendwann fängt es einfach jeden. Die fünfte Kölner Jahreszeit, so wie sie hier genannt wird, startet alljährlich am 11.11. um 11:11 Uhr und findet ihren Höhepunkt am Rosenmontag. Am Aschermittwoch ist dann alles vorbei. Vielleicht liegt es aber auch am "Kölschen Grundgesetz", dass die Kölner nichts so leicht aus der Fassung bringen kann und dass Gemeinschaft und Geselligkeit in dieser Stadt einen immens hohen Stellenwert einnehmen. Dort heißt es:

 

Artikel 1: Et es wie et es. („Es ist wie es ist..“)

Artikel 2: Et kütt wie et kütt. („Es kommt wie es kommt.“)

Artikel 3: Et hät noch emmer joot jejange. („Es ist bisher noch immer gut gegangen.“)

Artikel 4: Wat fott es, es fott. („Was fort ist, ist fort.“)

Artikel 5: Et bliev nix wie et wor. („Es bleibt nichts wie es war.“)

Artikel 6: Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet. („Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, fort damit.“)

Artikel 7: Wat wells de maache? („Was willst du machen?“)

Artikel 8: Maach et joot, ävver nit zo off. („Mach es gut, aber nicht zu oft.“)

Artikel 9: Wat soll dä Käu? („Was soll das sinnlose Gerede?“)

Artikel 10: Drinks de ejne met? („Trinkst du einen mit?“)

Artikel 11: Do laachs de disch kapott. („Da lachst du dich kaputt.“)